Denk_mal

Denk_mal – Erinnern heißt Zuhören ist ein künstlerisch-partizipatives Erinnerungsprojekt zur deutschen Wiedervereinigung. Es macht persönliche Perspektiven auf Einheit, Teilung und Transformation im öffentlichen Raum sichtbar und hörbar.
Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Erinnerung in Deutschland häufig ritualisiert ist. Wie sich Menschen mit der Vergangenheit auseinandersetzen, ist oft festgelegt und findet in wiederkehrenden Formen statt. Individuelle Erfahrungen, Brüche und Wiedersprüche finden hingegen wenig Raum.
Das Projekt kombiniert temporäre Interventionen an Freiheits- und Einheitsdenkmälern, an Orten der Transformation und Demokratie, einen Anrufbeantworter und einen mehrteiligen Podcast
Ziel ist es, neue Erzählräume zu schaffen, emotional anschlussfähige Zugänge zur Geschichte zu ermöglichen und auch marginalisierte Stimmen einzubeziehen.

Im Zentrum stehen dabei orangefarbene Spanngurte, die für jeweils vier Wochen an zwei (perspektivisch auch mehr) ausgewählten Orten der Transformation und Erinnerung an die Wiedervereinigung und der friedliche Revolution von 1989 angebracht sind.

Der Spanngurt hebt sich allein schon durch die Farbgebung und die Aufschrift im öffentlichen Raum ab und stellt durch seine eigentliche Funktion – der Nutzung bei Schwerlasttransporten und somit auch dem Errichten von Denkmälern – das Vorhandene in Frage.
Die Aufschrift www.bei-anruf-einheit.de auf den Gurten verweist auf die Projektwebseite, auf der Bürgerinnen und Bürger über einen Anrufbeantworter fortlaufend ihre persönlichen Erinnerungen und Sichtweisen mitteilen können.
Die Beiträge werden anonymisiert dokumentiert und bilden die Grundlage für den partizipativen Podcast „Bei Anruf: Einheit“.
Nach der Installation der Spanngurte werden jeweils O-Töne von jedem Ort aufgezeichnet: An was will ich mich erinnern? Was will ich heute zusammenbringen? Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Ansprache migrantischer Initiativen, um eine vielstimmige Erinnerungskultur sichtbar zu machen.

Die Grundlage des beschriebenen Projekts bildet die Masterarbeit von Jasmin Schauer (2022, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle). Die Arbeit untersucht dabei das Spannungsverhältnis von Denkmal, kollektiver Erinnerung und Teilhabe. Sie liefert sowohl die gestalterische Grundlage für den Spanngurt als auch den konzeptionellen Rahmen zur Aktivierung öffentlicher Räume.

Begleitend und unterstützend tätig wird die Kreativ- und Kommunikationsagentur lilazwei aus Dresden. Diese macht vor allem die Arbeit und Ideale zivilgesellschaftlicher Organisationen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich, jedoch nicht mit langen Pamphleten oder komplizierten Begriffen, sondern vor allem mit kreativen Formaten. Dafür entwickelt das Team zum Beispiel Strategien, entwirft Konzepte und erarbeitet Materialien.
Inhaltlich bewegt sich lilazwei schwerpunktmäßig in Themen der politischen Bildung, bündelt verschiedene Kompetenzen und arbeitet an mehreren Schnittstellen: Journalismus, Foto- und Videografie, Recherche, Storytelling, Mediengestaltung, Layout und Content Creation. Diese Expertisen greifen produktiv ineinander.

In Kooperation mit

Auditives Archiv

Standorte

Halle (Saale)

Juni 2027

Halle (Saale)

Volkspark (Schleifweg 8a, 06114 Halle)

Der 1907 eröffnete Volkspark ist ein im Jugendstil errichtetes Versammlungs- und Kulturzentrum der Halleschen Arbeiter*innen und der sozialdemokratischen Partei. Er gehört zu den bedeutsamen Profanbauten der Stadt Halle (Saale) und zu prominentesten Volkshäusern, die bis 1914 im mitteldeutschen Raum entstanden.
Aufgrund der Bauaufgabe, der Architektur, der Geschichte, der Größe, der städtebaulichen Lage und der 115-jährigen Nutzung hat er überregionale und nationale Bedeutung als Denkmal.
In der DDR wurde der Volkspark für politische Kundgebungen und Kulturveranstaltungen, wie Lesezirkel, Sportgruppen, Chorarbeit u.a. genutzt. Nach der Wiedervereinigung wurde das Grundstück 1998 nach einem langen Rechtsstreit an die SPD zurückübertragen. 2004 gründete sich der Verein "Volkspark Halle e.V.", der sich für die Sanierung des verwahrlosten Volksparks einsetzte. Seit 2010 ist der Verein Eigentümer des Volksparks und setzt sich dafür ein, dieses wichtige Kulturerbe zu bewahren und wiederzubeleben.

Halle (Saale)

September 2026

Halle (Saale)

Riebeckplatz, 06110 Halle (Saale)

Der Riebeckplatz gilt als Platz der Transformation, weil sich an ihm die politischen, gesellschaftlichen und städtebaulichen Veränderungen Halles über verschiedene Epochen hinweg besonders deutlich zeigen. Als wichtiger Verkehrsknotenpunkt der DDR verkörperte er die Vorstellungen sozialistischer Stadtplanung und galt als repräsentatives Eingangstor zur Stadt. Nach der Friedlichen Revolution und der deutschen Wiedervereinigung wurde der Platz mehrfach umgestaltet, um den neuen Anforderungen einer marktwirtschaftlich geprägten und sich wandelnden Stadt gerecht zu werden. Mit dem geplanten Bau des Zukunftszentrums für Deutsche Einheit und Europäische Transformation erhält der Riebeckplatz eine weitere Bedeutungsebene: Er wird zu einem Ort, an dem die Erfahrungen der deutschen Wiedervereinigung und gesellschaftlicher Transformationsprozesse erforscht, diskutiert und sichtbar gemacht werden.

Frankfurt RheinMain

Oktober 2026

Frankfurt RheinMain

Paulsplatz, Einheitsdenkmal (60547, Frankfurt am Main)

Die Frankfurter Paulskirche gilt als Wiege der deutschen Demokratie. Am 18. Mai 1848 trat hier das erste frei gewählte gesamtdeutsche Parlament zusammen. Die dort verabschiedete Paulskirchenverfassung war der erste Entwurf für ein geeintes, demokratisches Deutschland und gilt als Grundgedanke unseres heutigen Grundgesetzes.

Um dieses historische Ereignis noch stärker bewusst zu machen, wurde der Wettbewerb für ein Denkmal ausgeschrieben. Das Denkmal von Fritz Hessemer und Hugo Kaufmann wurde am 18. Oktober 1903 von Oberbürgermeister Franz Adickes eingeweiht.

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